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Los, sag was zu ihr, halt sie zurück,

s gibt weder Nacht noch Krieg,

in dieser Nacht und der Höhe will sie nichts als gehen.

Keiner außer dir kann sie trösten und halten.


Halt sie einfach auf, lass sie nicht los,

lass sie einfach weiter ihr sinnloses Zeug reden,

lass sie einfach weiter ihr Blut mit Tränen mischen.

Soll sie irgendwann gehen, aber nicht vor dem Winter.


Sieh nur, wie lang die Nächte sind

Wie zäh die Rauchschwaden.


Auch bei blauem und blendendem Morgenlicht

hört sie niemandem zu außer dir.

Auch wenn sie strenge und böse Heilige hat,

das kommt vielleicht später. Oder nie.


Doch lass sie nicht fort,

ehe die Sonne durch den Nebel dringt,

selbst wenn der Herbst vorbei ist und der Winter anbricht,

am meisten fürchtet sie die Einsamkeit.


Selbst wenn die Heiligen ihr beistehen in ihrem Gram,

kommt sie zum Klagen nur zu dir.

Vielleicht weil in der Menge die Einsamkeit am schlimmsten ist.


Sag was zu ihr,

was du noch nie gesagt hast,

was über Menschen und Vögel, über Tiere und Fische,

was über die Ewigkeit der Kohle und die Leichtigkeit des Korns,

darüber, dass das Leben läuft

auch, wenn der Krieg weitergeht.


Wer glaubt dir denn noch, wenn nicht sie?

Aus dem Ukrainischen von Claudia Dathe

© Serhiy Zhadan

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