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Texte

Ganz zufällig habe ich sie kennengelernt, in einer fremden Stadt.
Habe gesehen, wie sie mutig zum Himmel schaut,
gehört, wie sie spontane und gegensätzliche
Namen von Dichtern nennt, über die sie ständig spricht.

So spricht sie über ihre langen Krankheiten,
als wollte sie mutwillig Lärm auf der Straße erzeugen,
und dabei sind ihre Lippen so wund und blutig,
als hätte sie die ganze Nacht hindurch geweint oder geküsst.

Ich habe mich sogar gefragt, wenn das von den Tränen oder den Küssen kommt
und nicht von den Namen der Dichter,
wie sehr das mit ihren alten Beziehungen
ihren erwachsenen Bildern und kindlichen Geheimnissen zusammenhängt?

Wovon hängt das Schlagen ihrer Stiefel ab
ihr triumphierendes Lächeln und die genauen Zitate?
Alles hängt ohnehin von dem Mann ab,
der sie Nacht für Nacht zum Weinen und Lesen zwingt.

Ohnehin hängt alles von der kleinsten Handlung ab,
vom Schlaf über Mittag, der ihr einen Vorteil verschafft.
Der auf sie Einfluss hat, versteht nicht einmal,
was mit ihr passiert, wenn er sich ihr zuwendet.

© Serhiy Zhadan

Aus dem Ukrainischen von Claudia Dathe

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