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Der heilige Franziskus hat die Stadt für Surfer und Helden erbaut.

Er brachte die Schiffe der Königlichen Flotte her und führte sie

in stille Buchten, die im Nebel lagen.

Die Spanier sprangen ans Ufer,

und die russischen Matrosen in den Rettungsbooten und

die chinesischen Goldgräber zerlöcherten die Nacht mit

ihren Lichtern, staunend über die Schatten auf den Hügeln.

Und jede gegründete Kirche war wie eine strapazierte Stimme –

Freiheit winkt allen, wenn ihr sie nicht für euch behaltet,

teilt das Brot und die Winterkohle,

blickt in die Sonne durch die Glasscherbe des Ozeans,

das Gold reicht für alle,

aber Liebe fällt nur den Mutigsten zu!


Tausend Jahre braucht es,

um alle Schätze aus dem Boden zu bergen,

tausend Nächte, ehe man die Gewohnheiten der hiesigen Makrelen kennt,

tausend Worte braucht der mit der Ewigkeit spricht.

Die Pest zieht in den festlichen Hafen ein,

und mit ihr ergießen sich aus den Kirchen junge Mädchen und Burschen,

unverfroren und goldhäutig, mit ihren ersten Geheimnissen

und den katholischen Hymnen –

teilt eure Bücher und eure knallbunte Kleidung,

teilt sie, teilt Kaffee und Gemüse,

in dieser Stadt sind wir alle geschützt von Festungsmauern und Molen,

so viel Freude aus der ganzen Welt trifft hier ein,

was sollen wir damit anfangen,

was sollen wir damit machen?


Ich weiß, dass der heilige Franziskus sie beschützt,

wenn sie zu unseren Konferenzen und in unsere Bibliotheken kommt

er beschützt sie, wenn sie durch die Geschäfte bummelt,

die Kopeken zählt, die ihr bis zur Abreise bleiben,

beschützt sie vor Feinden, beschützt sie vor Freunden.

Und wird nervös, wenn ich ihm sage: Teile deine Geduld mit ihr,

teile die Müdigkeit, teile die Freude,

wem, wenn nicht dir, soll sie in dieser Stadt trauen,

über wen, wenn nicht über sie, sollen wir in diesem Leben noch reden,

wen sonst sollen wir beschützen,

wen beneiden,

Franziskus?

Aus dem Ukrainischen von Claudia Dathe

© Serhiy Zhadan

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