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Texte

Und nun schreibe ich wieder über sie,

erzähle von Balkonen

und von ihren Alltagsgesprächen.


Und ich weiß noch,

sie hat etwas vor mir versteckt

zwischen den Seiten der Anthologien

mit den verfluchten Dichtern,

die uns das Leben so gründlich

verdorben haben.


„Letzten Sommer“, sagte sie,

„da ist was mit meinem Herzen passiert.

Es ist ins Schlingern geraten wie ein Schiff,

dessen Mannschaft

ein Fieber dahingerafft hat.

Es zig durch die Tiefen meiner Atmung,

von der Strömung erfasst,

von Haien attackiert.


Ich sage zu ihm:

Herz, du Herz, dir helfen nicht Segel

noch Seile.

Die Sterne stehen zu hoch,

um den Weg zu weisen.

Herz, du Herz,

zu viele Männer

haben bei dir angeheuert,

zu viele das Schiff in britischen Häfen verlassen

und ihre Seele verspielt

in den grünen Tränen des Alkohols.“


Genau wie ich – und ich denke an ihre Waden, für die ich jeden

Kampf aufnähme,

und spreche ihr nach:

Herz,

du fieberndes Herz,

werd schnell wieder gesund,

komm bald zu Kräften,

so viel heiße Liebe erwartet uns noch,

so viele wunderbare Tragödien

sind verborgen vor uns auf offener See.

Herz, du Herz,

ich höre dich so gern schlagen,

wie eine gefangenen,

einen ungezähmten

Fuchs.

Aus dem Ukrainischen von Claudia Dathe

© Serhiy Zhadan

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