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So viel Wasser fasst kein Frühjahr.

Es wäre gut, sich die Namen zu merken.

Es wäre gut, rechtzeitig zu gehen und im Gehen nicht zu bereuen.

Es wäre gut, das zu können.

Ich kann es nicht.

Lehr du mich.

Aber noch sind die Nächte feucht wie Zündhölzer.

Das Streifen deiner Hand sengt.

Straßenlaub und Nachtfeuer sengen.

Erklär mir, wie du in dieser Tiefe atmest.

Es wäre gut, sich daran zu freuen, dass alles ist, wie es ist.

Es wäre gut, das Leben zu spüren und zu begreifen, dass es deins ist.

Es zu spüren, wenn du morgens erwachst und abends einschläfst.

Es wäre gut, nicht an dich zu denken.

Ich kann es nicht.

Lehr du mich.

Doch dieser Wind im Mai ist scharf wie Glas.

Ich weiß – was mit dir gewesen ist, stört dich.

Ich weiß, wie du dich vor deinem Herzen fürchtest.

Ich weiß – du willst eigentlich genau das.

So viel Regen – er rinnt und rinnt.

Ich weiß alles, was einer wissen muss, der alles weiß.

Die Bäume überm Kopf. Das Dunkel im Rücken.

Ich weiß alles.

Ich will weiter lernen.

Lehr du mich.

Aus dem Ukrainischen von Claudia Dathe

© Serhiy Zhadan

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