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Es hängt ja doch alles von uns ab.


Du berührst die Lufthülle, verschiebst das Gleichgewicht.

Was wir verloren, was wir gefunden haben, alles,

die ganze Luft, die den Blasebalg unserer Lungen durchströmt –

was zählt das ohne unseren Schmerz und unsere Enttäuschung?

Was ist es wert ohne unsere Freude?


Es dreht sich ja doch alles um deine Finger.

Du berührst ihre Kleidung und weißt: nichts

lässt sich zurückholen, der einmal genannte

Name verändert die Stimmen, verschränkt die Stämme,

damit du dich mit den toten Sprachen abplagen musst

und vielleicht so der Versuch gelingt,

sich mit den Lebenden zu verständigen.


Du berührst ihre Sachen und begreifst: jedes Wort,

jede Handlung macht ihre Rückkehr unmöglich.

Wir lassen uns von Mut und Trauer leiten –

Unumkehrbar ist die Liebe und nicht zu entziffern sind die meisten

Dunklen Prophezeiungen und Vorhersagen.

Mit uns passiert nur das, was wir wollten,

oder das, was uns Angst macht. Fragt sich nur,

was stärker ist – die Angst oder das Wollen.


Die Nacht erklingt von der Musik in den Schwimmhäuten

unserer Finger, das Zimmer füllt sich mit Licht

aus den herbeigeschafften Wörterbüchern.

Denn es geht um die Kunst,

die tote Sprache der Zärtlichkeit zu sprechen.


Licht setzt sich aus Dunkel zusammen

und hängt nur von uns ab.

Aus dem Ukrainischen von Claudia Dathe

© Serhiy Zhadan

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