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Texte

Die Worte, mit denen man alles erklären kann, sind immer einfach -

du bist eine weitere Stimme in ihrem Leben:

vielleicht die schrillste, vielleicht die klarste.

Vielleicht hört sie sie als ihre eigene.

Vielleicht merkt sie keinen Unterschied.

Umso weniger versteht man, was euch zusammenhält.


Man versteht nicht, was euch hält außer der Angst

den anderen zu verlieren, nicht, was ein so

zerrissenes Gewebe aus Erleuchtungen, Verwandlungen und Verwirrungen fügt,

was diesen schwerelosen Apparat in der Luft hält,

dessen Flügel jeden eurer Verluste streift,

dessen Gleiten schwerelos, dessen Driften vergebens ist.


Dinge, für die man stirbt, beziehen sich auf das Leben,

beziehen sich auf die Schwerelosigkeit, beziehen sich auf den Widerstand,

beziehen sich auf all das, wozu es keine Beziehung gibt.

Beziehen sich auf den Glauben, auf den vor allem.

Auf ihn beziehen sich all deine Bedenken,

all deine Zweifel, all deine Chancen auf Rettung.


Das Leben braucht trotzdem Begeisterung.

Auch wenn Gott sie schon lange vergessen hat -

zu viele Mühen und zu wenig Erfolg.

Tod und Leere braucht man nicht zu fürchten.

Gott sieht die selben Dinge wie du.

Wobei er sich auch merkt, was er sieht.


Vielleicht kann man ihm etwas beweisen,

kann sagen, dass du in Wahrheit an allem schuld bist,

unklar, unverständlich wieso und warum.

Gott birgt sich im Großen. Gott ist das Dunkel.

Ich habe ihn gesehen. Ich habe ihm gesagt, dass es ihn nicht gibt.

Er hat sogar zugestimmt, aber davon fühle ich mich nicht besser.


Also sing, Maria, sing, und stell keine frechen Fragen.

Der Tod bleibt bei seinen Vorlieben und Gewohnheiten.

Der Tod tauscht Tickets und Straßenkarten.

Ich hab irgendwie keine Angst vor dem jüngsten Gericht.

Nach einem Leben in einem kaputten Land mit Wasser und Brot,

wer will mich richten, was soll mich schrecken?


Sing, Speerfischer, der du im Meer auf Grund gehst,

singt, ihr Vertriebenen, davon, dass euch alles egal ist,

davon, dass die Vertreibung euch den Glauben nicht genommen hat.

Der Glaube ist es, der dich im Sattel hält,

auch wenn deine Chancen so klein sind,

dass selbst deine Kommandeure nichts mehr von dir wollen.


Der Wacholder und das schwarze Gras werden blühen.

Es bleiben dir noch immer deine Rechte,

der Dank am Ende und die Widmung auf dem Deckblatt.

Es bleiben dir noch immer ihre Stimmen.

Trag sie bei dir, Speerfischer, trag sie

wie die Waffe in der Tasche, wie die Vögel im Käfig.

Aus dem Ukrainischen von Claudia Dathe

© Serhiy Zhadan

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